Geschichte um das Heidenhäuschen
Wie ist das Heidenhäuschen entstanden?
Um diese Frage zu beantworten müssen wir in die Geologie einsteigen.
Als in der Mittleren Tertiärzeit die Platten von Südeuropa und Afrika im Bereich des östlichen Mittelmeeres aufeinanderstießen, wurden die Gebirge rund um das Mittelmeer vom Atlasgebirge bis zu den Alpen aufgefaltet. Das ging sehr langsam vor sich, hatte aber zur Folge, dass bereits verfestigte Teile der Erdkruste zerbrachen. Dabei sanken u.a. das Limburger Becken, die Idsteiner Senke, das Neuwieder Becken, die Wetterau, der Oberrheingraben ein. Der Riss durch die Erdrinde reicht von Oslo in Norwegen bis zum Njassagraben in Südostafrika. Dabei drang durch die entstandenen Spalten Lava nach oben
und es entstand u.a. das Heidenhäuschen.
Wann kamen nun Menschen in die Gegend rund um das Heidenhäuschen?
Schon in der ausgehenden Eiszeit vor 15.000 bis 20.000 Jahren lebten im Limburger Becken Jäger und Sammler. Die Fundorte hier bei uns sind die Höhlen der Wildscheuer bei Steeden, und in der Wildweiberlei bei Diez. Es handelt sich hierbei um Rastplätze bei der Jagd auf Großwild. Beide Höhlen wurden im Zuge des industriellen Kalk- bzw. Steinabbaues gesprengt. Die Behörden konnten sich wohl damals kaum vorstellen, dass diese Höhlen einmal ein überregional bedeutsames Touristenziel hätten werden können.
In der Mittleren und vor allem in der Jungsteinzeit wurde der Mensch sesshaft. Er lebte in dorfähnlichen Siedlungen und trieb Ackerbau und Viehzucht. Er fertigte noch Geräte und Waffen aus Stein und Knochen aber schon viel verfeinerter und geglättet. Es bildeten sich mehrere Kulturkreise heraus, die nach Form und der Verzierung der Tongefäße bezeichnet wurden. In unserer Gegend lebten die Bandkeramiker, deren Töpfe bandartige Verzierungen trugen.
Zwischen 2.500 und 2.000 vor Christus kamen die Schnurkeramiker und vom Niederrhein die sog. Steinkistenleute in unsere Heimat. Diese bauten ihre Gräber mit aufeinander geschichteten Steinen in Kistenform. Bei uns hier sind die Funde in Nieder- und Oberzeuzheim bekannt. Das in Oberzeuzheim gefundene Steinkistengrab aus der Zeit um 1900 vor Christus wurde am Fundort abgebaut und im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg wieder aufgebaut.
1990 untersuchte eine Kommission hochkarätiger Fachleute im Gebiet des Heidenhäuschens am Rennberges eine Steinstruktur, die aussieht wie ein zusammengefallener Eingang zu einem Steinkistengrab. Das Ergebnis war, dass man graben muss um Näheres festzustellen.
Rektor Theodor Borbonus aus Hangenmeilingen fand in den 1960er Jahren eine Anzahl Faustkeile aus Stein am Westabhang des Heidenhäuschens. Ein Exemplar, befindet sich im Besitz von Walter Rudersdorf.
Vom Donauraum aus drangen zwischen 1.200 und 1.000 vor Chr. die sog. Urnenfelderleute ins Lahngebiet vor. Sie vermischten sich schnell mit der einheimischen Bevölkerung. Sie verbrannten ihre Toten und füllten die Asche in Urnen, die sie meist in der Nähe von alten Völkerwegen beisetzten. Ein Prachtstück solch einer Graburne wurde bei Bau der Kerkerbachbahn 1907 in der Nähe von Fussingen gefunden.
In der Späthallstattzeit gegen 500 vor Chr. verbrannte nun die Toten nicht mehr, sondern begrub sie mit Beigaben wie Tongefäßen, Schmuck und Waffen. Fundorte sind ebenfalls zahlreich in unserer Umgebung.
Ein wichtiges Ereignis geschah im Sommer 1990, da war das schräge Plateau auf der Ostseite des Heidenhäuschens abgeholzt worden. Dadurch wurde der Bereich einer späthallstattlichen Besiedlung sichtbar. Keramikscherben aus diesem Bereich befinden sich im Heimatmuseum in Ellar.
Auf dem Frauenberg südlich des Gipfels des Heidenhäuschen werden drei Hügelgräber vermutet, die wahrscheinlich zu dieser späthallstattlichen Besiedlung gehörten. Auch hier müsste man laut der untersuchenden Kommission graben, um Näheres festzustellen.
Zu Beginn der nun folgenden La Tène-Zeit ab 500 vor Chr. wanderten die Kelten bei uns ein. Die Kelten waren ein ständisch gegliedertes Volk von Bürgern, Bauern, Handwerkern und Kaufleuten. Sie trieben Ackerbau und Viehzucht.
Um 300 vor Christus hatten die von Norden her vordringenden Germanen den Westerwald erreicht und bedrängten die hiesigen Kelten. Diese suchten sich zu schützen und bauten Fliehburgen und Ringwälle um Berggipfel als Zufluchts-, Kult- und Richtstätten.
In dieser Zeit spielte die Dornburg als befestigte Stadt und das Heidenhäuschen als Kultstätte eine große Rolle. Auf der Dornburg hatte sich ein politisches, organisatorisches, kulturelles, religiöses und wirtschaftliches Zentrum entwickelt.
Nachdem 1886 die Westerwaldbahn eröffnet worden war, begann eine Kölner Firma mit dem Basaltabbau im Bereich der Dornburg. Bis 1905 kamen drei weitere hinzu. Als man 1925 die Dornburg zum Naturschutzgebiet erklären wollte gab es großen Widerstand. Man hatte Angst um die Arbeitsplätze und die Einnahmen für die Gemeinden. So wurde 1927 nur ein Teil unter Naturschutz gestellt. In den Folgejahren 1929, 1938, und 1963 wurde das Naturschutzgebiet zugunsten der Basaltindustrie verkleinert. 1988 hatte der Steinbruch wieder das Gebiet des Naturschutzgebietes erreicht. Ein erneuter Antrag auf Verkleinerung wurde 1989 abgelehnt.
Durch die Steinbrüche wurden von der ursprünglich 37 ha umwehrte Gesamtfläche des keltischen Oppidums der Dornburg 17-18 ha abgebaut. Von den ehemals 3,2 km Wallzügen sind durch die Steinbrüche 2 km zerstört worden.
Lehrerin Katharina Jeuck, die aus Ellar stammte und in Oberzeuzheim tätig war, berichtete im Heimatbuch für den Kreis Limburg: "Ein Einwohner aus Oberzeuzheim fand unter dem Gipfel des Heidenhäuschens zwei keltische Münzen sog. Schüsselmünzen. Es sind sehr schöne und wertvolle Stücke. Sie stammen nach den Angaben des Landesmuseums in Wiesbaden aus dem 2. Jahrhundert vor Chr. und zeigen auf der einen Seite das Sonnenrad der Sterne. Auf der Innenseite ein springendes Pferd mit der Unterschrift "Ottina".
Es gibt noch weitere bisher nicht genau bestimmte und noch zu untersuchende Stellen im Bereich des Heidenhäuschens. So befindet sich im Bereich der "Burg" ein Brunnen. Hier fand man 1949 einen Malstein der aus der Spätlatenezeit stammen soll.
Die Steinwälle und die Steinhaufen an verschieden Stellen im Bereich des Heidenhäuschens auch hier im Bereich des Steinkopfes haben den Fachleuten bei ihren Begehungen schon immer Rätsel aufgegeben. Wissenschaftlich untersucht wurden sie bisher nicht.
Die "aal Mauer" ein auffallender Steinwall im Wald wurde von den Fachleuten bisher in verschiedene Zeiten eingestuft. Genauere Untersuchungen haben noch nicht stattgefunden.
Wer lebte um die Zeit von Christi Geburt rund um das Heidenhäuschen?
Prof. Dr. Heinrich Richter schreibt im Buch "Im Schatten der Burg Ellar", das wir hier von einem alten Nebeneinander von Kelten und Germanen im ersten Jahrtausend vor Chr. auszugehen haben. In seinem Bericht "De Bello Gallico", über den Gallischen Krieg von Caesar wird hier der Volksstamm der Ubier bezeugt.
Die Ubier waren einer der ersten keltisch germanischen Stämme, die sich auf regen Handel mit den Römern einließen, ihnen ihre Söhne in die Ausbildung gaben und sich schließlich auch zur Zahlung von Abgaben bereit erklärten. Dieses Verhalten brachte ihnen das Misstrauen, den Neid und schließlich auch den Hass der benachbarten Stämme ein, weshalb es in der Folge zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Ubiern und ihren Nachbarn kam.
So gerieten sie unter Druck und zwischen die Fronten der Römer und der anderen Stämmen und drohten quasi aufgerieben zu werden. Daher wurden sie 38 v. Chr. aus Sicherheits-gründen vom damaligen Statthalter in Gallien Marcus Vipsanius Agrippa auf das linke Rheinufer umgesiedelt. Der Hauptort der Ubier wurde nach der Umsiedlung das Oppidum Ubiorum, "Stadt der Ubier" die heutige Stadt Köln.
Das bisheriges Gebiet der Ubier wurde nun von den germanischen Usipetern eingenommen.
Diese verehrten männliche Gottheiten und an die Stelle von Mahalinehae trat nun ZIUS. Dieser Gott der Germanen ist wohl in dem Namen "Zeuzheim" überliefert.
Warum bin ich so ausführlich auf die Ubier eingegangen?
Dies hängt mit vielen Flur und Ortsnamen zusammen, die von den Ubiern abstammen.
Der Name " Heidenhäuschen" wird laut Walter Rudersdorf abgeleitet aus dem ursprünglichen indogermanischen kaukos, im gotischen dann hauhas, im germanisch bzw. althochdeutsch haug gennant. Es erfolgte ein grammatischer Wechsel zum mittelhochdeutschen "haus" = das Hohe Gericht, verbunden mit Kultstätte.
Der Name "Lay" mundartlich "Laa " findet man öfter in der Bedeutung "Berg", "Stein", Fels" kommt aus dem keltischen lica in der selben Bedeutung im mittelhochdeutschen lei Stein, Fels, Schieferstein.
Die Ortsnamen von Hangen- und Hintermeilingen, die zu beiden Seiten des Heidenhäuschens liegen, enthalten in der Form unechter ingen-Namen den Namen der, der drei weiblichen keltischen Gottheiten (Matronen) "MAHALINEHAE", unter deren Obhut die Rechtsversammlungen der Ubier abgehalten wurden, nachdem vorher der Gottheit geopfert worden war. Die mundartliche Form der beiden Ortsnamen lautet "Maling(e)".
<< Vortrag von Peter Gröschen >>